Neuer Gleichstellungsplan in Schmallenberg verabschiedet:
„Gleichstellung bedeutet so viel mehr als Gendern“, sagt Carmen Oberstadt von der Stadt Schmallenberg. Seit 22 Jahren ist sie die kommunale Gleichstellungsbeauftragte und in dieser langen Zeit hat sie sich gute Strukturen erarbeitet. „Anfangs galt man noch als notwendiges Übel. Der Gesetzgeber hatte den Kommunen über das Landesgleichstellungsgesetz aufgetragen, eine Gleichstellungsbeauftragte einzusetzen. Die Aufgabe wurde häufig belächelt und man brauchte ein dickes Fell, um das auszuhalten.“
Aber Carmen Oberstadt stand von Anfang an mit Herzblut hinter dem Thema, zeigte sich geduldig und brachte in Gesprächen mit guten Argumenten ihre Ideen ein. Heute ist die Gleichstellungsbeauftragte eine Person im Rathaus, auf deren Wort Wert gelegt wird. Sie hat ein unmittelbares Vorspracherecht beim Bürgermeister und arbeitet mit der Personalabteilung und dem Personalrat eng zusammen. Sie ist in sämtliche Personalangelegenheiten eingebunden und nimmt stimmberechtigt an den Auswahlverfahren und Vorstellungsgesprächen teil.
Der Rat der Stadt Schmallenberg hat jetzt den neuen Gleichstellungsplan bis 2027 verabschiedet. Der Plan ist ein Instrument für Geschlechtergerechtigkeit, Personalplanung und Personalentwicklung. Ein guter Anlass, mit der Gleichstellungsbeauftragten Carmen Oberstadt das Thema zu beleuchten.
Die Stadt Schmallenberg bietet unterschiedlichste Arbeitszeitmodelle an, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Pflege bestmöglich zu unterstützen. „Chancengleichheit wird in der Stadtverwaltung aktiv gelebt“, erzählt Carmen Oberstadt. „Aber dennoch sind die Ziele des Landesgleichstellungsgesetzes noch nicht vollständig erreicht.“
Die Bestandsaufnahme und Analyse des vergangenen Gleichstellungsplans machte deutlich, dass zwar mehr Frauen als Männer in der Stadtverwaltung beschäftigt sind, dass Frauen im oberen Besoldungs- und Vergütungsbereich aber noch unterrepräsentiert sind. Im Bereich der Führungspositionen liegt der Frauenanteil bei knapp über 30 Prozent, anzustreben sind 50 Prozent.
„Der neue Gleichstellungsplan wird dabei unterstützen, dieses Ziel weiterhin im Blick zu haben“, so Carmen Oberstadt. „Aber auch die Frauen selbst sind gefragt, mutig und zielstrebig zu sein.“
Im Schmallenberger Rathaus finden regelmäßige Gespräche statt, um aktuelle Themen der Personalentwicklung zu diskutieren. Kolleginnen und Kollegen haben jederzeit die Möglichkeit, sich bei Bedarf unmittelbar an die Gleichstellungsbeauftragte zu wenden. Manchmal ergreift Carmen Oberstadt selbst die Initiative und spricht Probleme bei Mitarbeitenden und Vorgesetzten konkret an. „Meine Arbeit hat sehr viel mit gegenseitigem Vertrauen zu tun“, erklärt Carmen Oberstadt.
Netzwerken ist nach Meinung von Carmen Oberstadt im Bereich der Gleichstellung ebenfalls sehr wichtig und so ist sie nicht nur auf Bundes-, Landes- und Kreisebene mit Gleichgesinnten anderer Behörden vernetzt, sie arbeitet z.B. auch im Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt mit oder tauscht sich u.a. regelmäßig mit Unternehmerinnen aus.
„Gleichstellungsarbeit bei der Stadt erfolgt nach innen und nach außen. Ich möchte das Feld möglichst weit öffnen, um die Erfolge der Gleichstellungsarbeit schmackhaft zu machen, um eine Strahlkraft in möglichst viele Richtungen zu erzielen“, erzählt die Gleichstellungsbeauftragte.
Der öffentliche Dienst schafft Gleichberechtigung durch den Tarifvertrag. Die Vorgaben des Tarifvertrages schließen eine Benachteiligung von Frauen aus. Carmen Oberstadt wünscht sich, dass gute Beispiele aus der Wirtschaft und der Verwaltung sichtbar werden und Vorbildfunktion haben. „Man kann sehr viel voneinander lernen. Nur wer die Ressourcen von Frauen und Männern nutzt, wird langfristig erfolgreich sein.“
„Ein gerechter Lohn, gute Angebote für Kinderbetreuung, eine gleichberechtigte Aufteilung der Elternzeit sind Punkte, die bei der Gleichberechtigung im Arbeitsleben und somit bei der Gewinnung von Fach- und Arbeitskräften eine große Rolle spielen. Solange „typische Frauenberufe“ schlechter bezahlt werden, werden weiterhin in erster Linie Frauen in Elternzeit gehen oder sich für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden“, so die Gleichstellungsbeauftragte.
Carmen Oberstadt sieht die Stadt auf einem guten Weg. Den Gleichstellungsplan wird sie weiterhin fest im Blick haben. Durch ihre Netzwerk-Kontakte werden auch Frauen außerhalb des Rathauses von ihrem Engagement für die Sache profitieren. „Es ist schön, als Gleichstellungsbeauftragte ein Puzzleteilchen im Gesamtwerk zu sein. Gleichstellung ist ein Prozess, in dem wir mit Verständnis füreinander gemeinsam vieles erreichen können. Politik und Gesellschaft sind gleichermaßen gefragt.“
Hintergrund:
- Dienststellen mit mindestens 20 Beschäftigten bestellen eine Gleichstellungsbeauftragte.
- Der Gleichstellungsplan wird für die Dauer von drei bis fünf Jahren erstellt.
- Kernstück des Gleichstellungsplanes ist der Bericht zum vorherigen Gleichstellungsplan.
Zahlen:
- Zum Stichtag 01.01.2023 waren bei der Stadt Schmallenberg insgesamt 361 Personen beschäftigt, davon 247 Frauen und 114 Männer. Somit beträgt der Frauenanteil insgesamt 68,4 Prozent.
- Im Bereich der Teilzeitbeschäftigung ergibt sich ein Frauenanteil von 90,45 Prozent.
- In den Besoldungsgruppen A13 bis B5 sowie in den Entgeltgruppen 12 – 14 bzw. S15 ergibt sich ein Frauenanteil von 28,6 Prozent.
